
Alfred-Wegener-Schule besucht die 50. UNIS-UN-Konferenz in New York
Die Delegation der Alfred‑Wegener‑Schule Kirchhain kehrte mit vielen neuen Erkenntnissen und Eindrücken aus New York zurück: Zehn Schülerinnen und Schüler der E-Phase sowie die Lehrkräfte Bettina Bachmann und Philipp Vestweber haben auf Einladung an der 50. UNIS‑UN-Konferenz im Hauptquartier der Vereinten Nationen teilgenommen.
Im Mittelpunkt der Jubiläumskonferenz stand das Thema „The Price of Progress: Rethinking the next 50 years of global economics“, also die Frage, welchen Preis wirtschaftlicher Fortschritt weltweit hat – und wie sich die globale Wirtschaft in den kommenden fünf Jahrzehnten gerechter und nachhaltiger gestalten lässt
Schon der erste Moment im Generalversammlungssaal war für die Gruppe aus Kirchhain ein Perspektivwechsel: Wo sonst Staats- und Regierungschefs über Krieg und Frieden beraten, diskutierten jetzt Jugendliche aus aller Welt darüber, wie sich Wachstum, soziale Gerechtigkeit und ökologische Grenzen in Einklang bringen lassen. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und internationalen Organisationen spannten dabei einen weiten Bogen – von der Verschuldung vieler Staaten des globalen Südens über den Klimawandel bis hin zu den Folgen von Freihandel und Digitalisierung für Arbeitsmärkte.
Die Schülerinnen und Schüler waren nicht nur Zuhörerinnen und Zuhörer. In Arbeitsgruppen, Fragerunden und moderierten Debatten formulierten sie eigene Positionen: Wie lässt sich wirtschaftlicher Fortschritt messen, wenn man nicht nur das Bruttoinlandsprodukt, sondern auch Lebensqualität, Bildung, Gesundheit und ökologische Stabilität berücksichtigt? Welche Verantwortung tragen wohlhabende Länder, wenn ihr Wohlstand zu einem erheblichen Teil auf Ressourcen und Arbeitskraft anderer Regionen beruht? Solche Fragen gewannen im direkten Austausch mit Jugendlichen aus sehr unterschiedlichen Ländern eine besondere Schärfe. Für die Gruppe der AWS wurde deutlich, dass wirtschaftliche Fragen immer auch Fragen von Macht, Verantwortung und Gerechtigkeit sind.
Ergänzt wurde die intensive Konferenzarbeit durch drei Tage Sightseeing, in denen New York selbst zum Lernraum wurde. Die Wolkenkratzer Manhattans, die dicht befahrenen Straßen, die leuchtenden Werbetafeln am Times Square und die Luxusboutiquen in der 5th Avenue führten der Gruppe unmittelbar vor Augen, wie sich globalisierte Ökonomie im Stadtbild spiegelt. In einem Moment steht man vor der Fassade einer Großbank oder eines Tech‑Konzerns, im nächsten erlebt man in einer U‑Bahn‑Station oder einem Wohnviertel die soziale Spaltung einer Metropole.
Die Woche in New York verband politische Bildung, Wirtschaftsethik und interkulturelles Lernen zu einem dichten Erfahrungsraum, in dem sich Unterrichtsinhalte und gelebte Realität kaum trennen ließen, sodass die Gruppe viele neue Impulse mit in die Schule tragen kann. Die Schülerinnen und Schüler mussten sich in einem hochkarätigen internationalen Umfeld sprachlich behaupten, ihre Argumente strukturieren, zuhören und Widerspruch aushalten – Kompetenzen, die weit über den schulischen Rahmen hinausweisen.
Die Delegation der AWS kehrte schließlich nicht nur mit eindrucksvollen Bildern von Skyline und Freiheitsstatue nach Kirchhain zurück, sondern vor allem mit einer gemeinsamen Erkenntnis: Fortschritt ist nie gratis. Er kostet Ressourcen, er hat Gewinner und Verlierer – und er verlangt Entscheidungen. Dass zehn Jugendliche aus Kirchhain diese Fragen im Herzen der Vereinten Nationen mitverhandeln konnten, ist ein starkes Signal dafür, dass Weltpolitik und globale Ökonomie längst nicht mehr nur Sache der „Großen“ sind, sondern auch derjenigen, die in den nächsten 50 Jahren mit den Folgen leben werden.
Bettina Bachmann

